Donnerstag, 28. Juni 2012

ifo-Studie zu Griechenland-Austritt

Das ifo Institut hat in einer Studie analysiert, welche Möglichkeiten/Herausforderungen verschiedenen Optionen für die weitere Entwicklung Griechenlands bieten/bergen. Dazu gehört u. a. ein Szenario, in dem Griechenland aus dem Euroraum austritt.

Die Studie ist wirklich lesenswert, weil sehr schön historische Beispiele für ähnliche "Währungsoperationen" aufgezeigt werden. Ein großes Problem habe ich jedoch damit, wenn die Kollegen am Ende als Fazit ziehen ...:
"Ein  Austritt  Griechenlands  aus  der Währungsunion, verbunden  mit  einer  externen  Abwertung der neuen Währung, stellt eine organisatorische Herausforderung, aber letztlich eine gangbare Alternative zur derzeitigen Strategie der internen Abwertung dar."
... und Ansteckungseffekte auf den übrigen Euroraum nur im letzten Absatz als vernachlässigbares Risiko ansprechen:
"Von  großer  Bedeutung  für  die  anderen  Länder  des  Euroraums  sind  die  durch einen  Austritt Griechenlands induzierten Ansteckungseffekte, insbesondere auf Krisenländer wie Portugal und Irland. Vor allem in einem Ansturm auf die Banken, der zu einem Zusammenbruch des Bankensystems in den betroffenen Ländern führen könnte, ist ein großes Risiko zu sehen, das die Kosten eines Austritts Griechenlands massiv erhöhen könnte. Gegen Ansteckungseffekte im größeren Ausmaß spricht, dass sich zumindest internationale Kapitalanleger bereits in den vergangenen Jahren im großen Stil aus den europäischen Krisenländern zurückgezogen haben; die Target-Salden  innerhalb  des  Eurosystems  verdeutlichen  diese  Kapitalflucht  nur  zu  deutlich.  Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ist wohl für Portugal am größten, da es sich in einer ähnlich prekären Lage befindet wie Griechenland. Eine Ansteckung Irlands ist weniger wahrscheinlich, weil die Märkte beobachten, dass Irland erfolgreich gegen seine makroökonomischen Ungleichgewichte vorgegangen ist und seit 2010 wieder Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaftet."
Hier wird mit keinem Wort Spanien und Italien angesprochen. Außerdem glaube ich nicht, dass die Ansteckungseffekte so gering sind. Denn: Welcher halbwegs klar denkende Italiener/Spanier/Ire/Portugiese/Zypriot würde denn seine Ersparniss auf einem heimischen Bankkonto lassen, wenn er sieht, dass die griechischen Bankguthaben an einem Wochenende um rund die Hälfte entwertet werden - nachdem die Politik den Griechen zwei Jahre lang erzählt hat, dass ein Austritt natürlich nicht in Frage kommt. 

Wie kann man so ein Fazit ziehen, nachdem man in der Studie ein schönes Bild über die Entwicklung der Bankeinlagen in Griechenland gezeigt hat, die seit 2009 um rund  30 % gesunken sind? 


Gerade Ökonomen, die doch sonst immer den rational agierenden Menschen aufs Schild heben, müssten doch Bank Runs in den anderen Ländern eine Wahrscheinlichkeit von nahe 1 beimessen und diese nicht als kleines Risiko abtun. 

Mit welcher Strategie will man das private Geld denn in den anderen Ländern halten, wenn man einmal gezeigt hat, dass die Währungsunion nicht wirklich eine "unendliche Währungsunion" ist sondern eher ein System fester Wechselkurse, aus dem man, wenn es schlecht läuft, rausfliegt? Ich kann mir da schon Maßnahmen vorstellen ... aber in denen kommen immer die Wörter "EZB" oder "gemeinsame Einlagensicherung" vor ... und das wäre doch auch keine Lösung, die politisch durchsetzbar wäre.

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