Dienstag, 26. Juni 2012

Soros-Interview

George Soros hat dem Spiegel ein Interview zu den Perspektiven des Euroraums gegeben. (Und mit Währungs-Regimen kennt er sich aus!)

Darin wirft er Deutschland vor, in der Krise nicht so gehandelt zu haben, wie es der de-facto Hegemon in Europa eigentlich hätte tun müssen. Auszüge:
"SPIEGEL ONLINE: Sollte die Euro-Zone auseinanderbrechen, könnten diese Forderungen schlagartig wertlos werden. Ist es also nur ein Bluff, wenn Kanzlerin Angela Merkel mit der Idee eines deutschen Austritts aus der Währungsunion kokettiert?
Soros: Deutschland könnte die Euro-Zone verlassen. Aber das wäre unglaublich teuer. Ich habe gerade im SPIEGEL über die Studie des deutschen Finanzministeriums gelesen, die schätzt, dass im Falle eines Euro-Zerfalls die Arbeitslosigkeit in Deutschland deutlich steigen und das Wirtschaftswachstum dramatisch sinken würde. Deshalb wird Deutschland immer gerade das Nötigste tun, um den Euro zu erhalten. Aber das Nötigste wird die Situation der Schuldnerländer nur verschlimmern. Das Ergebnis wird ein Europa sein, in dem Deutschland als Imperialmacht betrachtet wird - als eine Macht, die vom Rest Europas nicht mehr bewundert und imitiert wird. Stattdessen wird Deutschland gehasst werden, andere Länder werden Widerstand leisten, weil sie die Deutschen als Unterdrücker wahrnehmen." [...]

"SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass Angela Merkel bereit ist für solche Schritte?
Soros: Sie sitzt in der Falle. Merkel hat eingesehen, dass der Euro so nicht funktioniert, aber sie kann die Narrative, die sie geschaffen hat, nicht ändern. Diese Narrative hat sich in den Köpfen der Deutschen festgesetzt - und sie haben sie übernommen.

SPIEGEL ONLINE: Die Narrative lautet im Grunde, dass die Krisenländer - anders als Deutschland - ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.
Soros: Genau. Aber zugleich hat die Kanzlerin erkannt, dass das Krisenmanagement so, wie es bisher läuft, nicht weitergehen kann. Sie will den Euro jedoch unbedingt erhalten.

SPIEGEL ONLINE: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat jüngst in einem SPIEGEL-Interview seine Vorstellungen für ein "neues Europa" dargelegt, mit einer sehr viel engeren politischen Union.
Soros: Schäuble repräsentiert das Deutschland aus der Ära Helmut Kohls. Er ist der letzte verbliebene Europäer und er ist eine tragische Figur, weil er versteht, was getan werden müsste, aber auch weiß, dass er die Hindernisse nicht aus dem Weg räumen kann. Er leidet wirklich darunter."
Tja, in der Haut von Herrn Schäuble will man wahrlich nicht stecken. In seiner Rede anlässlich der Verleihung des Aachener Karlspreises an ihn sagte er:
"Und wir müssen jetzt eine politische Union Europas schaffen, weil wir es in den 90iger Jahren nicht konnten. Wir müssen die demokratische Legitimation Europas stärken, wir müssen  die Effizienz Europas  verbessern und  wir  müssen  die  europäischen Institutionen reformieren. Oder, um an den italienischen Schriftsteller Tomasi di Lampedusa zu erinnern: wenn alles in Europa so bleiben soll wie es ist, dann muss sich vieles, wenn nicht  alles,  ändern.  Wir  werden  nur  durch  Voranschreiten  das  bewahren,  was  wir  auf unserem Kontinent an Integration, an Sicherheit und  Wohlstand schon geschaffen haben."
Ich bin skeptisch, dass er in dieser Hinsicht noch viele Reformen als aktiver Politiker erleben wird. Dafür ist seine Fraktion mitterweile zu klein ...

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