Dienstag, 10. Juli 2012

Sanierung des spanischen Bankensektors

Vor einiger Zeit wurde ja beschlossen, dass Spanien Hilfen aus dem EFSF bzw. dem ESM bekommt, um damit seinen Bankensektor zu sanieren, in dem aufgrund der hohen Abschreibungen aus dem Immobiliensektor so einige Banken praktisch insolvent sind. Um zu vermeiden, dass Spanien noch weiter in eine pro-zyklische Sparpolitik getrieben wird, wurde vereinbart, dass die Hilfsgelder nicht mit Auflagen für die Budgetpolitik verbunden werden sondern nur Vorgaben für die Umsetzung der Sanierung des Bankensektors gemacht werden.

Über FT Alphaville kann man nun den Entwurf für das "memorandum of understanding" einsehen. Der Zeitplan für die Sanierung sieht so aus:


Zur Beteiligung von Altaktionären und Gläubigern heißt es in Punkt 17:
"17. Steps will be taken to minimise the cost to taxpayers of bank restructuring. After allocating losses to equity holders, the Spanish authorities will require burden sharing measures from hybrid  capital  holders  and  subordinated  debt  holders  in  banks  receiving  public  capital, including  by  implementing  both  voluntary  and,  where  necessary,  mandatory  Subordinated Liability  Exercises  (SLEs).  Banks  not  in  need  of  State  aid  will  be  outside  the  scope  of  any mandatory  burden  sharing  exercise.  The  Banco  de  España,  in  liaison  with  the  European Commission  and  the  EBA,  will  monitor  any  operations  converting  hybrid  and  subordinated instruments into senior debt or equity."
Mal schauen, wie das dann umgesetzt wird.

1 Kommentar:

Stefan Wehmeier hat gesagt…

Sparpolitik?

"Dass Schuldenaufnahmen nur möglich sind, wenn ein anderer Geld übrig hat und zum Verleih bereit ist, kann als bekannt vorausgesetzt werden (nur nicht bei denen, die an das Hirngespinst einer "Geldschöpfung der Geschäftsbanken" glauben). Weniger bekannt ist dagegen, dass die leihweise Aufnahme solcher überschüssiger Geldmittel nicht nur möglich, sondern in jeder Volkswirtschaft zwingend notwendig ist! Denn ohne die Rückführung über Kredite in den Kreislauf würden sie als Kaufkraft in der Wirtschaft fehlen. Als Folge käme es zu Unterbrechungen des Geldumlaufs und damit, in Höhe der Ersparnis, zu Nachfrageausfällen.
…Normalerweise werden solche Ersparnisbildungen durch die Kreditaufnahmen anderer Wirtschaftsteilnehmer geschlossen, vor allem über Investitionen der Unternehmen. Gehen jedoch die Ersparnisbildungen über deren Bedarf hinaus, dann versucht man – nicht zuletzt durch exzessive Ausweitungen der Werbung – die Privathaushalte zum Kauf auf Pump anzuregen, wie das bereits in den 1960er Jahren zunehmend der Fall war. Da aber auch dieser Ausweg seine Grenzen hatte und die Geldvermögen immer rascher zunahmen, blieb schließlich nur noch der Staat zur Schließung des Kreislaufs übrig.
…Die Staaten sind also, nach den Gesetzmäßigkeiten unseres heutigen Geldsystems, in Fällen überschüssiger Ersparnisbildungen zur Ausweitung ihrer Schulden gewissermaßen gezwungen. Und das heißt im Umkehrschluss, dass die Staaten in unseren Tagen ihre Schuldenaufnahmen nur dann abbremsen oder gar herunterfahren können, wenn Unternehmen oder Privathaushalte ihre Kreditaufnahmen ausweiten würden. Geschieht dies nicht im ausreichenden Umfang, dann versuchen die Besitzer dieser weiter wachsenden Vermögensmassen schließlich, ihre Gewinne über fragwürdige Finanzanlagen und Spekulationsgeschäfte hereinzuholen. Welche Folgen das wiederum hat, haben wir in den letzten zehn Jahren erlebt. Daraus ergibt sich, dass ein wirkungsvolles und unproblematisches Abbremsen der ständig wachsenden Schulden nur dann möglich wäre, wenn dies bei den Geldvermögen vorausgehen würde. Und das heißt wiederum, wenn man jenen Vermehrungs-Automatismus dieser Geldvermögen, der aus dem Zins- und Zinseszins-Effekt resultiert, anstatt der Schuldenzunahme abbremsen würde. Ein Abbau, der sich automatisch einstellt, wenn man, über einen geregelten Umlauf des Geldes, für ein marktgerechtes Absinken der Zinssätze und – in gesättigten Volkswirtschaften – deren Pendeln um die Nullmarke sorgt."

Helmut Creutz (aus HUMANE WIRTSCHAFT 02/2012)

Dass "Spitzenpolitiker" und "Wirtschaftsexperten" diese "banalsten Selbstverständlichkeiten" (Zitat: Silvio Gesell) gar nicht erst verstehen wollen, ist unmittelbar einsichtig, denn sie leben davon, dass die Volkswirtschaft eben nicht funktioniert. Doch was ist mit allen anderen, die ein Interesse daran haben müssten, dass die Wirtschaft funktioniert? Die Beendigung der "Finanzkrise" setzt die Überwindung der Religion voraus: http://www.juengstes-gericht.net

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