Freitag, 13. Juli 2012

So sieht empirische Makroforschung aus ...

Ein Beispiel dafür gefällig, wie empirische Makroökonomie arbeiten sollte bzw. wie die Basis von Politikberatung geschaffen werden sollte? Dann bitte einen kurzen Blick auf den Beitrag von Sebastian Gechert auf der Ökonomenstimme-Seite werfen oder einen langen in seinen vollständigen Aufsatz (zusammen mit Henner Will).

Darin untersuchen die Autoren eine umfassende Menge an Studien über die Höhe des Multiplikators finanzpolitischer Stimuli und zeigen, dass das Resultat - Überraschung (!) - sehr stark von der gewählten Methode bzw. den unterstellten Politikmaßnahmen abhängt. Sie schlussfolgern:
"As a major result, we find that the reported size of the fiscal multiplier crucially depends on the setting and method chosen. Thus, economic policy consulting based on a certain multiplier study should lay open by how much specification affects the results."
Ich habe dagegen oft den Eindruck, dass einfach ein, zwei Studien, die keine Effekte finden, zitiert werden, um zu belegen, dass Konjunkturprogramme stets und immer Schwachsinn sind.

Das heißt nicht, dass ich glaube, dass sie stets und immer kein Schwachsinn sind ... ich fordere einfach nur, dass man jede Situation genau betrachten muss: Ist die Geldpolitik wirksam oder durch die Nullzinsenschranke behindert? Welche Maßnahmen (Staatsausgaben, Erhöhung indirekter Steuern, Erhöhung von Einkommenssteuer für niedrige oder hohe Einkommen, etc.) sind (kurz-, mittel- und langfristig) effektiver als andere? Wie sieht die Verschuldungssituation des Staats aus?

Und dann ganz wichtig: Wie unsicher ist das Wissen über die Effekte in dieser Situation? Zusammen mit einer Analyse der Kosten, die wahrscheinlich entstehen, wenn der Staat nicht eingreift, und jener Kosten, wenn ein Stimulierungsprogramm aufgelegt wird, ergibt sich dann die Entscheidungsgrundlage.

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