Dienstag, 21. August 2012

Noch mal was zum sanften Paternalismus

Ich hatte bereits in der Vergangenheit in einem Beitrag beschrieben, dass ich Probleme mit der Argumentation derjenigen habe, die dem Umsetzen von Erkenntnissen aus der Verhaltensökonomie - unter dem Stichwort "sanfter Paternalismus" - ablehnend gegenüber stehen. Heute findet sich zu diesem Thema in der F.A.Z. ein weiterer Beitrag, dessen Argumentation ich nicht einleuchtend finde.

Gilles Saint-Paul schreibt darin [Hervorhebungen von mir]:
"Man kann gegen diesen „weichen Paternalismus“ einiges einwenden: Erstens wird er wahrscheinlich der erste Schritt einer Reihe von stärkeren Zwangsmaßnahmen sein, falls das Ziel, dem er offiziell dient, nicht erreicht wird. Zweitens beruht er auf einem konstruierten Konsens darüber, was die richtige Option ist. Wie können wir wissen, dass die Leute zu wenig sparen? Kümmern sich Raucher oder übergewichtige Esser wirklich so sehr um ihre Gesundheit, wie es die paternalistische Regierung gerne hätte? Wenn das nicht der Fall ist, warum sollte man ihnen das „gesunde“ Verhalten aufzwingen?"
Nun finde ich zwei Argument schon reichlich wenig, um sie als "einiges" zu bezeichnen. Wenn aber beide auch noch so schwach sind, dann wirkt der Aufbau der ablehnenden Haltung darauf ja schon geradezu grotesk. Aber der Reihe nach.

Das erste Argument ist ja nicht wirklich ein Argument gegen den "sanften" oder "weichen" Paternalismus, bei dem ja immer die vollständige Wahlfreiheit des Individuums erhalten bleibt, sondern die Warnung vor Formen der wirklichen Reglementierung derzeit individuell zu treffender Entscheidungen.

Das zweite Argument besagt, wenn man ihm folgt (Ich würde einwenden, dass man bei vielen Themen, wie etwa der Schädlichkeit übermäßigen Alkohlkonsums sehr wohl weiß, was die "richtige" Option ist.), eigentlich nur, dass man auf Basis der vorhandenen Informationsmenge nicht weiß, was die bessere Option ist. Demnach wäre es also völlig irrelevant, wie das Entscheidungsproblem formuliert wird, d. h. welche Option so angeboten wird, dass sie mehrheitlich angenommen wird. Daraus abzuleiten, dass ein demokratisch gewählter Gesetzgeber das Entscheidungsproblem nicht so designen sollte, wie er es für richtig hält, ist so abwegig, dass ich hier echte Formulierungsprobleme bekomme, weil ich nicht verstehe, nach welcher Logik der Autor hier argumentiert.

Fazit: In meinen Augen fällt hier der Wiederstand gegen das Nutzen von Erkenntnissen der Verhaltensökonomie mal wieder durch.

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