Dienstag, 21. August 2012

Weidmanns Rolle

Das Handelsblatt druckt zwei Meinungen zur Rolle von J. Weidmann bzw. der Bundesbank für die europäische Geldpolitik. Einmal pro und einmal contra.

"Zum Glück jedoch schwächt Weidmanns Opposition die Stellung der EZB gar nicht, sie macht sie im Gegenteil glaubwürdiger und damit stärker. Denn EZB-Chef Draghi läuft Gefahr, mit einer allzu leichtfertig offerierten Bereitschaft, sich an der Rettung angeschlagener und hochverschuldeter Euro-Staaten zu beteiligen, letztlich als Erfüllungsgehilfe der Politik dazustehen. Sicherlich, ohne Beteiligung der EZB ist die Rettung der Euro-Zone wohl nicht zu schaffen. Und dafür muss sie Kompromisse machen und kann sich nicht auf die reine Lehre berufen. Aber das heißt noch lange nicht, dass die Zentralbank dafür gleich im Handstreich alle ihre wertvollen Prinzipien über den Haufen werfen muss. Der Mahner Weidmann ist das personifizierte schlechte Gewissen der EZB - und erfüllt damit eine wichtige Funktion."
"Doch das Zinsinstrument wirkt nicht. Die niedrigen Zinsen kommen nur in Ländern wie Deutschland an – und sorgen hier für Spekulationsblasen. Dort wo niedrige Zinsen aber am nötigsten wären, nämlich in den Krisenländern, kommen sie nicht an. Kurzum: In der Krise funktioniert weder der Anleihemarkt noch das Zinsinstrument. Deshalb muss die EZB zur Erfüllung ihres Mandats eine neue Strategie einschlagen. Eine Alternative dazu hat Jens Weidmann nicht zu bieten. Besonders glaubwürdig und effektiv könnte die EZB vorgehen, wenn sie den Rückhalt der Bundesbank und ihres Präsidenten hätte. Für die Märkte wäre klar: Es lohnt sich nicht, gegen die Zentralbank zu spekulieren. Das könnte die Kosten einer Intervention am Anleihemarkt senken. Doch Unterstützung für diesen Kurs ist von Weidmann nicht zu erwarten."
Ich kann beiden Positionen etwas abgewinnen ... bin aber im Moment doch eher froh, dass nicht die Bundesbank alleine die Geschicke des (nämlich sonst vielleicht gar nicht mehr existierenden) Euros bestimmt.  

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