Mittwoch, 31. Oktober 2012

"Enteignung" der Sparer

Hmm, mal wieder ein nettes Stück aus der F.A.Z. zum Thema Geldpolitik und Sparen. Und weil es so schön ist, hier mal in voller Länge zitiert:
"Die „Euro-Rettung“ verunsichert die Leute. Viele Leute legen wegen der Krise noch mehr Geld zurück, aber sie bekommen immer weniger Zinsen dafür. Angesichts einer Verzinsung von oft weniger als einem halben Prozent ist es fast egal, ob man sein Geld bei der Bank lässt oder Bargeld hortet, was übrigens mehr Leute tun als man denkt."
... wenn immer noch zu viele Leute/Unternehmen sparen anstatt ihr Einkommen auszugeben, dann reflektiert das nur, dass die aggregierte Nachfrage im Euroraum immer noch deutlich zu niedrig ist ... und das Zinsniveau demnach immer noch zu hoch.
"Schlimmer als der entgangene Zins aufs Sparbuch ist, dass die hohe Inflationsrate von derzeit 2,7 Prozent in der Eurozone das Kapital der Sparer auffrisst. Diese dürfen sich bei der Europäischen Zentralbank bedanken, die mit Zinsen fast zum Nulltarif Banken und Staaten rettet. Wer will heute noch jungen Leuten raten, mit einem Sparplan fürs Alter zu sorgen?"
Wie gesagt, aus makroökonomischer Sicht würden Einkommen und Wohlstand der Volkswirtschaft in Zukunft wohl höher sein, wenn derzeit weniger gespart würde, weil dadurch das aggregierte Einkommen/die gesamtwirtschaftliche Produktion weniger hinter dem Potential zurückbleiben würde.
"Es finde eine „kalte Enteignung“ von Sparern und Kunden von Lebensversicherungen statt, beklagt Georg Fahrenschon, Präsident des Sparkassenverbands. Recht hat er."
Recht hat er? Wo steht denn gesetztlich verbrieft, dass ein Sparer in jeder makroökonomischen Großwetterlage einen Anspruch auf einen bestimmten Mindestzins hat? (Aber zu den Äußerungen von Herrn Fahrenschon schreibt Mark Schieritz hier schon genug.)
"Sparer sind Opfer der EZB, Gewinner ihrer extrem lockeren Geldpolitik sind neben Banken und Staaten die Besitzer von Häusern und Aktien. Das ist politisch gewollt, nicht nur in Europa, sondern auch in Japan und Amerika. Ziel dieser „Rettungspolitik“ ist die Entschuldung der Staaten zulasten der Sparer. Darauf sollte jeder Anleger reagieren."
Ich würde es so formulieren: Das primäre Ziel der Wirtschaftspolitik ist die Stabilisierung der Nachfrage auf Höhe des Produktionspotentials. Und derzeit spart sowohl der Privatsektor (er will) als auch der öffentliche Sektor (er mein zu müssen oder muss) so viel, dass die aggregierte Nachfrage eben zu niedrig ist ... und wenn zu wenig Nachfrage da ist, dann muss halt der Preis sinken ... und der ist - im Sinne von Opportunitätskosten - eben der Ertrag, den man auf Spareinlagen aller Art bekommt. 

Und was soll heißen "Darauf sollte jeder Anleger reagieren"? Revolution? EZB anzünden? Sparkasse überfallen und sich holen, was "dem Sparer zusteht"?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen