Sonntag, 30. Dezember 2012

"Verdammte Prognosen"

... das ist der Titel eines angenehm unaufgeregten Beitrags in der F.A.Z., in dem es um die Zuverlässigkeit von Prognosen in verschiedenen Lebensbereichen geht. Aufhänger ist das Buch von Nate Silver "The Signal and the Noise".
"Die fehlprognostizierenden Ökonomen sind in bester Gesellschaft. Wissenschaftler anderer Disziplinen versäumten die richtigen Vorhersagen bei terroristischen Attentaten, technologischen Durchbrüchen oder Erdbeben.[...]

Was läuft falsch bei den Prognosemodellen? Eine Antwort lautet: Die Welt ist einfach zu kompliziert, die Wirtschaft ohnehin. Der Basler Ökonomie-Professor Yvan Langwiler sagt, die Wirtschaftswissenschaft sei für die Prognose kaum zu gebrauchen. „Das liegt daran, dass unser Studienobjekt außerordentlich komplex ist - viel komplexer beispielsweise als das physische Universum. Planetenbahnen zu prognostizieren ist ein Kinderspiel im Vergleich zur Prognose des Wechselkurses oder des Bankrotts einer Firma.“"
 Schön auch, die Graphik zur Verbesserung der Treffsicherheit bei Wetterprognosen.


Davon können Konjunkturprognostiker natürlich nur träumen - hier hat sich seit den 1970ern in Punkto Prognosegüte wenig getan, wenn man berücksichtigt, dass sich die allgemeine Volatilität der Konjunktur verringert hat.

Aber der Vergleich zu den Wetterprognosen zeigt halt auch das große Problem vor dem Prognostiker des Wirtschaftsgeschehen stehen: Auch wenn einzelne Variablen (wie z. B. Finanzmarktvariablen) ohne Fehler beobachtet werden können, sieht es bei den meisten Wirtschaftsindikatoren ganz anders aus. So werden Daten zur Produktion oder dem BIP oft noch nach Jahren substantiell revidiert. D. h. Konjunkturanalysten wissen jeweils noch nicht einmal mit Präzesion, wo die Wirtschaft im Moment der Prognoseerstellung wirklich steht. 

Anders bei Wetterprognosen, für die in den vergangenen Dekaden ein weltweites Netzwerk von hochpräzisen Messtationen aufgebaut wurde, so dass die Prognosemodelle auf ein nicht-fehlerbehaftetes Abbild des aktuellen Zustands aufbauen können.

Aufgrund der zu hohen Kosten, die mit einem analogen System für die Wirtschaftsentwicklung verbunden wären, glaube ich nicht, dass sich an dem Unterschied in nächster Zukunft etwas ändert.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen