Mittwoch, 10. April 2013

Ökonomische Politikberatung in Deutschland

Zufällig passend (?) zu meinem vorherigen Beitrag findet sich heute auf dem Fazit-Blog der F.A.Z. ein Beitrag über eine Studie von Justus Haucap und Michael Mödl.

Haucap und Mödl untersuchen darin empirisch, welche Ökonomen in Deutschland von der Politik als Berater herangezogen werden.

Ihre Zusammenfassung:
"Der vorliegende Beitrag trägt einige empirische Belege zum Verhältnis von wirtschaftspolitischer Beratung  und  ökonomischer  (Spitzen-)Forschung  in  Deutschland  zusammen,  um  die  fortwährende Debatte über dieses Verhältnis mit einer – wenn auch nur etwas – breiteren Datenbasis zu versehen. Dazu haben wir ausgewertet, (a) in wie weit Publikationen deutschsprachiger Ökonomen  in  ökonomischen Top-Journalen  einen  expliziten  Bezug  zu  wirtschaftspolitischen  Problemen im deutschsprachigen Raum aufweisen und (b) welche Ökonomen in der deutschen Politikberatung aktiv sind. Für Frage (b) wurde ausgewertet, welche Ökonomen in der Legislaturperiode 2005 bis 2009 (i) gutachterlich für die drei wirtschaftsnahen Ministerien für Finanzen (BMF), für Wirtschaft und Technologie (BMWi) sowie für Arbeit und Soziales (BMAS) tätig waren, (ii) um Stellungnahmen  zu  den korrespondierenden  Anhörungen  der  Fachausschüsse  im  Deutschen Bundestag gebeten wurde und (iii) Aufsätze im Wirtschaftsdienst publiziert hat. Wie sich zeigt, sind dies größtenteils Ökonomen, welche weder aktuell noch in der Vergangenheit Spitzenforschung im  Sinne  des  Handelsblatt-Rankings  produziert  haben.  Zugleich zeigt  unsere  Inhaltsanalyse  der Beiträge in Spitzenzeitschriften (Frage a), dass der Großteil der dort von deutschprachigen Ökonomen  publizierte  Beiträge  keinen direkten  Bezug  zur  Wirtschaftspolitik  im  deutschsprachigen Raum  hat.  Die Gesamtschau  der  Befunde  legt  nahe,  dass  nicht  nur  aktuell  ein  starkes  Maß  an Arbeitsteilung zwischen Politikberatung und Spitzenforschung existiert, sondern auch über den Lebenszyklus von Ökonomen hinweg."
Auch ich habe schon länger den Eindruck, dass in Deutschland wenig Austausch zwischen forschungsstarken Ökonomen und der Politik passiert ... und dass die Wirtschaftspolitik relativ zu anderen Ländern stärker durch Juristen und weniger durch Ökonomen beeinflusst wird.

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