Mittwoch, 8. Mai 2013

Schieritz zur "Sparerenteignung"

Mark Schieritz bietet auf dem Herdentrieb-Blog eine erhellende Perspektive auf die "Enteignung der Sparer" durch das derzeitige Niedrigzinsumfeld.

Auszüge:
"Unser Bild vom Sparen ist geprägt von der Vorstellung, wir seien in der Situation in der Robinson auf seiner Insel war. Sparen ist die Ansammlung von Vorräten. [...] Seine Kaufkraft erlangt [das Geld aber] dadurch, dass es zur Finanzierung produktiver Investitionen verwendet wird. Nur der dadurch entstehende Kapitalstock – im weiteren Sinn ausgebildete Arbeitskräfte, Straßen, Maschinen – ermöglicht die Verschiebung von Ressourcen in die Zukunft. Sparen im volkswirtschaftlichen Sinn ist die Bildung von Sachkapital. 

Das bedeutet, dass das Einkommen der Rentner in 20 oder 30 Jahren davon abhängt, wie leistungsfähig die Wirtschaft in 20 oder 30 Jahren ist.  Aus diesem Grund ist die Höhe des Zinsniveaus für sich genommen erst einmal irrelevant. Schädlich sind die niedrigen Zinsen, wenn sie zu einer Fehlallokation von Kapital oder sonstigen Verwerfungen führen. [...]

Ein Wort noch zum Begriff financial repression. Er wurde bekanntlich von Carmen Reinhart geprägt und geht zurück auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Staaten ihrer Bürger dazu zwangen, niedrig verzinste Anleihen aufzukaufen. Der große Unterschied zu damals ist, dass es heute in den meisten Ländern der westlichen Welt einen freien Kapitalverkehr gibt."
Insbesondere der letzte Punkt ist meiner Meinung nach wichtig. Derzeit gibt es keinerlei "Zwang sich von der Regierung/Notenbank enteignen zu lassen".

Die Zentralbank hält den Zins niedrig, weil die Inflation(-serwartungen) sehr niedrig und die Kapazitäten weit davon entfernt sind, komplett ausgelastet zu sein. Wo jemand in diesem Umfeld sein Vermögen anlegt, ist jedem selber überlassen. Es zwingt einen keiner, sich mit 0,5 % Zins auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto zufriedenzugeben.

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