Donnerstag, 2. Mai 2013

Schmieding vor EZB-Sitzung

H. Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank, schreibt anlässiglich der heutigen EZB-Sitzung in einem Gastbeitrag im Handelsblatt u. a.:
"Allerdings würde ein noch niedriger Leitzins auch keinen großen Schaden anrichten. Weder in Deutschland noch andernorts in der Eurozone drohen uns auf absehbare Zeit ein nennenswerter Geldwertschwund oder eine gefährliche Blase an den Vermögensmärkten. Deshalb gibt es auch keinen Grund, allzu lautstark gegen den sich abzeichnenden Zinsschritt der EZB zu protestieren. [...]

Auch in Deutschland gibt es keinerlei Inflationsproblem. Der Anstieg der Immobilienpreise und –mieten in einigen Ballungszentren ist nicht kreditgetrieben. Er drückt vor allem die längerfristige Stärke des deutschen Arbeitsmarktes sowie die Nachwirkungen der Kapitalflucht aus Randeuropa nach Kerneuropa aus."
Schmieding deutet an, dass er ein Programm der EZB zur Untersützung der Kreditversorgung des Mittelstandes in den Krisenländern lieber sehen würde als eine Zinssenkung.
"Stattdessen werden wir darauf achten, was die EZB unternimmt, um das eigentliche Problem, die Kreditklemme in Randeuropa, direkt anzugehen. Spielraum dafür haben die EZB und die ihr angeschlossenen nationalen Zentralbanken der Krisenländer durchaus."
Da bin ich ehrlich gesagt skeptisch, ob die EZB in einzelne Segmente/Länder eingreifen sollte. Denn grundsätzlich liegt der Ball, was die Kreditklemme in den Krisenländern angeht, bei der Finanzpolitik, die endlich die Bankensysteme in den betroffenen Ländern sanieren müsste - und für den Euroraum insgesamt eine weniger restriktive Politik machen sollte.

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