Samstag, 18. Januar 2014

Crashkurs für die Euro-Krise

Der Fazit-Blog der F.A.Z. berichtet über eine Arbeit von M. Brunnermeier und Ricardo Reis über die Euro-Krise.

Das vollständige Paper ist leider noch nicht online. (Auf dem ASSA-Meeting ist mir der Vortrag darüber entgangen.)

Jedenfalls liest man auf dem Fazit-Blog folgende Auszüge bzw. Zusammenfassungen:
"Die Euro-Krise dürfte das bisher bedeutendste gesamtwirtschaftliche  (makroökonomische) Ereignis im noch jungen 21. Jahrhundert darstellen.[...]

Eine auf traditionellen makroökonomischen Betrachtungen lautende Schilderung der Euro-Krise hat sich allmählich etabliert. Diese konventionelle Betrachtung geht so: Mit der Einführung des Euro und dem damit verbundenen Wegfall des Wechselkursrisikos erlebten die ärmeren Länder in der Peripherie der Eurozone einen großen Rückgang der Zinsen. Die ärmeren Länder reagierten darauf mit einer erheblichen Kreditaufnahme in den reicheren Ländern der Eurozone, die eine Zunahme von Löhnen, Preisen und des realen Wechselkurses begünstigt. Als sich die Kapitalgeber nach 2008 weigerten, die immer größeren Defizite in den Staatshaushalten und Leistungsbilanzen zu finanzieren, folgte eine unausweichliche Rezession in der Peripherie. Ein Ausgleich der Leistungsbilanzen erfordert höhere Wachstumsraten des Preisniveaus und der Löhne im Kern der Währungsunion als in der Peripherie. [...]

Diese Schilderung ist überwiegend korrekt, anders als Fiktionen über faule Südeuropäer und austeritätsbesessene Nordeuropäer. Die zentrale These dieses Beitrags lautet aber, dass die konventionelle Schilderung der Krise nicht vollständig ist. Sie beinhaltet einige zentrale wirtschaftliche Mechanismen nicht und führt daher zu falschen Politikempfehlungen. Der konventionellen Schilderung fehlen vor allem zwei Bestandteile [...]: Erstens floss in den Jahren bis zum Krisenausbruch Kapital nicht direkt von Sparern im Kern der Währungsunion zu den Finanzierern von Projekten in der Peripherie [...]. Das Kapital floss durch eine Kette von Finanzhäusern, die von kurzfristigen Refinanzierungen abhängig waren. Zweitens wurde das Kapital in der Peripherie nicht für die rentabelsten Investitionsprojekte genutzt."
Keine Weltbewegende Erkenntnis - aber Brunnermeier ist immer interessant zu lesen.

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