Sonntag, 5. Januar 2014

Weidmann über EZB-Politik

Jens Weidmann verteidigt im Handelsblatt-Interview, die Politik der EZB.

"Wenn [es] so wäre[, dass die EZB ihre Politik nicht am Durchschnitt der Eurozone sondern an den Krisenstaaten ausrichten würde,] hätten wir ja wohl kaum unser Primärziel erreichen können, die Inflationsrate unter, aber nahe zwei Prozent zu halten. Der Kaufkraftverlust des Euro während der 15 Jahre seiner Existenz liegt bei genau zwei Prozent pro Jahr. Damit war er geringer als der in den letzten 15 Jahren der D-Mark in Deutschland, auch wenn solche Vergleiche immer etwas oberflächlich sind, da sie die unterschiedlichen Rahmenbedingungen nicht berücksichtigen. Unsere Zinsentscheidungen lassen sich auch nicht einfach in Formeln abbilden. Klar ist natürlich: Wenn sich eine signifikante Anzahl von Euro-Ländern in der Krise befindet, wächst der Druck auf das Euro-System, die Anpassungslast zu mildern. Diesem Druck müssen wir standhalten und die Geldpolitik konsequent am Durchschnitt des Euro-Raums ausrichten. [...]

In den Ländern, in denen die Geldpolitik tendenziell zu expansiv ist, können Finanzstabilitätsrisiken wie zum Beispiel Vermögenspreisblasen entstehen. Dem muss dann aber beispielsweise mit anderen Instrumenten als denen der Geldpolitik begegnet werden – etwa durch höhere Eigenkapitalvorgaben für bestimmte Bankkredite. Den Bedarf für eine solche makroprudenzielle Politik haben wir im Vorfeld der Krise zu wenig beachtet. Deshalb gibt es in Europa jetzt den Europäischen Ausschuss für Systemrisiken und in Deutschland den Ausschuss für Finanzstabilität, die solche Risiken rechtzeitig aufspüren und Maßnahmen vorbereiten sollen."
Um eine ähnliche Fragestellung - nämlich ob man mit makroprudentiellen Maßnahmen, die negativen Folgen der Niedrigzinspolitik eindämmen sollte oder nicht besser über die Finanzpolitik dafür sorgen sollte, dass der natürliche Realzins sich wieder erhöht - wurde gestern auch auf der Konferenz hier in Philadelphia gestritten. In einer Panel-Diskussion mit O. Blanchard, L. Summers und H.-W. Sinn. Später vielleicht mehr dazu ...

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