Mittwoch, 16. April 2014

Monopolist Google

Google, gesehen durch die Brille eines abhängigen Medienkonzerns.

Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer SE, schreibt in der F.A.Z. an Eric Schmidt.
"[...] Der Anteil Googles am Online-Werbemarkt in Deutschland steigt von Jahr zu Jahr und liegt derzeit zirka bei sechzig Prozent. Zum Vergleich: Die „Bild“-Zeitung, die seit Jahrzehnten vom deutschen Kartellamt als marktbeherrschend eingestuft wird (weshalb Axel Springer Pro Sieben Sat.1 oder auch Regionalzeitungen nicht kaufen durfte), hat neun Prozent Marktanteil der Printwerbung in Deutschland. Im Vergleich ist Google nicht nur marktbeherrschend, sondern sozusagen super-marktbeherrschend.

Google ist für das Netz, was die Deutsche Post für die Briefzustellung oder die Deutsche Telekom für das Telefonieren war. Damals gab es nationale Staatsmonopole. Heute gibt es ein globales Netzmonopol. Deshalb ist es von größter Bedeutung, ob es bei den Suchergebnissen von Google transparente und faire Kriterien gibt. [...]

Die Kommission schlägt allen Ernstes vor, dass die infrastrukturbeherrschende Suchmaschine Google weiterhin Wettbewerber in der erfolgsentscheidenden Plazierung von Suchergebnissen diskriminieren darf. Zum Ausgleich aber – und jetzt kommt es – würde ein neues Werbefenster zu Beginn der Suchliste eingerichtet, in dem die diskriminierten Unternehmen sich einen Listenplatz kaufen könnten. Das ist kein Kompromiss. Das ist die EU-behördlich sanktionierte Einführung jenes Geschäftsmodells, das man in weniger ehrenwerten Kreisen Schutzgeld nennt. Nach dem Motto: Wenn du willst, dass wir dich nicht umbringen, musst du bezahlen."
In der Tat wird es interessant zu sehen, wie sich der Staat im Rahmen der Monopolregulierung in den kommenden Jahren zu diesen neuen Monopolen im Netz positioniert.

Mein Tipp wäre, dass es bis zur Zerschlagung (wie weiland bei Standard Oil oder dem "Bell-System") oder einer umfassenden Regulierung (wie bei den Energie- oder Telekomunikationsnetzen) noch seeeehr lange dauern wird.

Hier noch der Link zu einem Papier von Justus Haucap und Christiane Kehder, in dem der Fall "Google" untersucht wird. Deren Fazit: Es ist dezeit noch schwer, ein wirklich monopolistisches und gesamtwirtschaftlich schädliches Verhalten von Google festzustellen. Sie schlagen allerdings eine einfache Lösung für das Problem vor, dass Google eigene Seiten ohne Kenntlichmachung bei der Suchergebnisliste bevorzugt.

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