Mittwoch, 7. Mai 2014

Gutachten über Gefahren der niedrigen Zinsen

Meine ehemaligen Kollegen am IfW haben sich Gedanken über die Auswirkungen der niedrigen Zinsen in Deutschland gemacht.

Die SZ berichtet über ein Gutachten für das Finanzministerium:
"Nach Meinung der Gutachter [vom IfW] besteht die Gefahr, dass die ultra-niedrigen Leitzinsen, mit denen die EZB die Krise seit Jahren bekämpft, in einem konjunkturell vergleichsweise blühenden Land wie Deutschland auf Dauer erheblichen Schaden anrichten. So könne die Geldschwemme zu einer exzessiven Kreditvergabe, einer Fehlleitung von Kapital, einer Preisblase am Immobilienmarkt, der Entstehung von "Zombie-Banken", unverhältnismäßig hohen Lohnanstiegen und damit zu einem Fehlurteil über die Wirtschaftskraft insgesamt führen, heißt es in der Expertise. Werde hier nicht gegengesteuert, sei auf mittlere Sicht eine "schwere Rezession" mit entsprechend fatalen Folgen für den Staatshaushalt nicht auszuschließen."
Ich kenne das Gutachten nicht sondern auch nur den Pressebericht. Sollte dieser alles Wichtige wiedergeben, finde ich positiv, dass nicht reflexhaft nach höheren Zinsen gerufen wird, weil das in der konjunkturellen Situation des Euroraums insgesamt ziemlich kontraproduktiv sein würde.

Zum Aspekt der exzessiven Kreditvergabe und den unverhältnismäßig hohen Lohnanstiegen (Was ist das überhaupt? Sorgt nach Auffassung des IfW nicht auch auf dem Arbeitsmarkt der freie Markt für die bestmögliche Preisfindung?) kann man meiner Meinung nach einfach mal warten, bis es soweit ist---bislang zeigen sich ja für keines der beiden Phänomene Anzeichen in Deutschland.

Die Vorschläge für die Wirtschaftspolitik, die im Gutachten anscheinend gemacht werden, sind im Großen und Ganzen aber vernünftig.  Bessere Ausstattung der Banken mit Kapital. Stärker contra-zykische Finanzpolitik. Anpassung der Immobiliensteuern an tatsächliche Verkehrswerte.

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