Mittwoch, 7. Mai 2014

Woher kommt das Geld?

Mal Sendung-mit-der-Maus-mäßig erklärt.

Und zwar in der F.A.Z.. Auszüge:
"Geld benutzen wir alle, täglich, routiniert. Wir zahlen bar oder mit Karte, wir überweisen, holen Kontoauszüge. Doch wo diese Euros eigentlich herkommen, wie sie entstehen, wer sie schafft, ist nur wenigen klar. Es ist, wie Kurt Tucholsky schon 1931 schrieb: „Woher das Geld kommt, ist unbekannt. Es ist eben da beziehungsweise nicht da - meist nicht da.“ [...]

Es gibt wenige, die so viel darüber wissen, wie das Geld in die Welt kommt, wie Cœuré [Vorstandsmitglied der EZB]. Was er erzählt, kann überraschen. Zum Beispiel dies: „Wer denkt, dass nur die Zentralbank Geld schafft, liegt falsch. Wir schöpfen Geld, und die Banken schöpfen auch Geld.“ Das erstaunt, wenn man es zum ersten Mal hört. Die kleine Volksbank soll in der Lage sein, selbst Geld zu machen? Kommt das nicht alles von der EZB?

Die meisten Menschen stellen sich Geld ja so vor: Das, was auf meinem Konto ausgewiesen ist, liegt irgendwo in der Bank in einem Tresor als Bargeld. Das stimmt aber nicht. Die Banken halten viel weniger Bargeld, als sie Einlagen von Kunden haben. Das gesamte Geld in Europa beläuft sich auf eine Summe von knapp 10 Billionen Euro (siehe Grafik). Es ist aber nur rund eine Billion Euro an Bargeld vorhanden. Es geht also gar nicht, dass alles mit Bargeld hinterlegt ist. Normalerweise brauchen Banken auch nicht viel Bargeld, denn heute benutzen wir für größere Beträge häufig die Karte oder überweisen den Rechnungsbetrag. Das geht mit elektronischem Geld. Das dürfen die Banken selbst schaffen.

Er kennt die Gründe, aus denen die Banken dieses [Zentralbank-]Geld halten. Der erste ist simpel: Sie müssen es tun. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, einen gewissen Anteil der Kundenguthaben in Form von Zentralbankgeld zu halten. Das nennt man die Mindestreserve. „In normalen Zeiten halten die Banken nicht viel mehr Zentralbankgeld als das, was sie halten müssen“, sagt Resinek.

So beeinflusst das Zentralbankgeld indirekt also doch unser Geld da draußen. Denn es ermöglicht erst die Geschäftstätigkeit der Bank und damit auch deren Geldschöpfung. Der Mindestreservesatz sichert der Zentralbank außerdem eine gewisse Macht über das gesamte Geld der Volkswirtschaft: Setzt sie den Satz hoch, können private Banken weniger Geld schaffen. Setzt sie ihn etwa auf 100 Prozent, können die Banken gar kein eigenes Geld mehr schaffen. [...]

Wo sind die Milliarden der EZB also hin, die sie seit der Krise geschaffen hat? Weg sind sie nicht. Zum Teil wurden sie an die EZB zurückgezahlt. Heute haben die Banken weniger Geld auf ihren Konten bei Bundesbank, Banque de France oder Banca d’Italia als auf dem Höhepunkt der Geldschwemme im Sommer 2012. Doch ein großer Teil der Milliarden liegt immer noch dort.

Und wieso führt das nicht dazu, dass wir alle im Geld schwimmen, dass wir alle mehr auf dem Konto haben? Das liegt daran, dass die Notenbanken das Geld eben nicht alleine schöpfen. Die Banken müssen mitspielen, schließlich sind sie die Mittler zwischen Zentralbankgeld und uns allen. Doch das tun sie nur begrenzt. Sie schöpfen derzeit nicht so viel Geld, wie es ihnen möglich wäre.
Deshalb ist die Geldmenge in Europa nur wenig gestiegen während all der Jahre, in denen die EZB die dicken Berthas erfand, die Zinsen fast auf null senkte und den Banken unbegrenzt Geld gab. Das Zentralbankgeld schoss in die Höhe, aber die Banken wurden knauserig."
Und weil es für viele so überraschend ist, hier noch mal eine Graphik der Geldbasis im Euroraum:


Seit Mitte 2012 schafft die EZB von Woche zu Woche also nicht etwa neues Geld, sondern schreddert Zentralbankgeld, das während der Krise als Notfallmaßnahme geschaffen wurde. 

Und wie sieht es mit dem Geldschöpfungsprozess der Banken aus, der insgesamt für die Entwicklung der breiten Geldmenge (aufgrund des niedrigen Mindestreservesatzes) viel wichtiger ist? Die folgende Abbildung zeigt die Wachstumsrate von M3 ggü. dem Vorjahresmonat:

Seit 2010 legt die Geldmenge nur noch sehr schwach zu. Abzüglich der Inflation über diesen Zeitraum ergibt sich tendenziell eine Stagnation der realen Geldmenge.

Kommentare:

Peter hat gesagt…

Man sollte an dieser Stelle auch noch erwähnen, dass nicht nur die Geschäftsbanken über das Kreditangebot das Ausmaß ihrer Giralgeldschöpfung bestimmen sondern auch die Bankkunden über deren Nachfrage nach Krediten. Nur durch Kreditvergabe (aus Sicht der Bank eine Aktiv-Passiv-Mehrung bzw. Bilanzverlängerung, da die Forderungen(Kredite) und Verbindlichkeiten(Kundenguthaben) der Bank in gleichem Maße zunehmen) ensteht neues Giralgeld, dazu Bedarf es eines Kreditgebers und eines Kreditnehmers...

Die schwache Entwicklung der Kredit- und Geldaggregate ist nämlich nicht nur Ursache des Umwillens der Banken Kredite zu vergeben, sondern auch des Unwillens des nichtfinanziellen Sektors Kredite aufzunehmen...

Jonas Dovern hat gesagt…

Das stimmt. Die Kreditnachfrage spielt natürlich immer mit rein. Und aufgrund des Willens/Zwangs die hohe Verschuldung abzubauen, dürfte derzeit im Euroraum insgesamt nicht gerade bombastische Nachfrage nach Krediten herrschen. Wobei ich - wegen der ausgebliebenen ordentlichen Sanierung des Bankensektors - davon ausgehe, dass im Fall des Euroraums (jedenfalls in den Krisenländern) angebotsseitige Faktoren immer noch eine große Rolle für die schwache Entwicklung spielen. Anders sieht es in den USA aus, wo der Bankensektor schnell und durchgreifender saniert wurde.

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