Mittwoch, 30. Juli 2014

Reaktion auf Bundesbankforderung nach hohen Lohnabschlüssen

Die Bundesbank hat über Interviews ihres Präsidenten und ihres Chefvolkswirts öffentlich gemacht, dass sie der Meinung ist, dass Lohnerhöhungen von im Schnitt rund 3% in Deutschland derzeit angemessen seien.

Ich halte das auch für angemessen und bin eigentlich auch nicht so überrascht von der Position der Bundesbank wie anscheinend viele Medien, weil ich nie geglaubt habe, dass die Bundesbank in einer komplett asymmetrischen und atheoretischen Welt lebt, in der hohe Lohnabschlüsse immer schlecht und niedrige immer gut sind. (Davon unberührt bleibt, dass mein Prior immer noch ist, dass die Bundesbank eine asymmetrische Verlustfunktion im Hinblick auf die Inflationsrate hat, in der Abweichungen über 2% stärker ins Gewicht fallen als Abweichungen nach unten.)

Nun, jedenfalls sorgt sich die Bundesbank nun auch, dass die Lohnabschlüsse in Deutschland ggf. zu niedrig ausfallen könnten, um dem Preisauftrieb im Euroraum genügen Impulse zu geben.

Daraufhin berichtet die F.A.Z. über "die üblichen" Reaktionen aus dem Arbeitgeberlager:
"Die Metall-Arbeitgeber halten den Richtwert der Bundesbank für zu hoch und geben zu bedenken, dass der Produktivitätsfortschritt 2012 und 2013 mit nicht einmal 0,5 Prozent deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert gelegen habe. „Wer künftig stärkere Lohnerhöhungen haben will, muss Spielräume für zusätzliche Investitionen lassen“, fordert Gesamtmetall. Denn genau dadurch werde ein Produktivitätsfortschritt möglich, aus dem die Betriebe stärkere Lohnerhöhungen finanzieren könnten."
Daraufhin habe ich kurz in der Sektorrechnung nachgeschaut, wie es um die finanziellen Spielräume des Unternehmenssektors insgesamt im vergangenen Jahr bestellt war und habe eine frühere Graphik geupdatet:


Demzufolge entstand bei den nichtfinanziellen Unternehmen im Jahr 2013 ein Finanzierungsüberschuss von knapp 55 Mrd. Euro. So ganz kurz vor einer Situation, in der keine Investitionsmittel mehr da sind, scheinen die Unternehmen insgesamt also nicht zu stehen ...

Kommentare:

André Kühnlenz hat gesagt…

Naja, wenn die Neuinvestitionen im Inland nicht laufen, legen die Unternehmen die 55 Mrd. Euro eben im Ausland an - sie investieren also großteils indirekt. Das ist doch das Problem - dass die Binnenkonjunktur seit 2011 nie wirklich in Gang gekommen ist. Aber der Staat spart weiterhin bei seinen Investitionen (was im Fall der Kommunen auch nur die Folge der schwachen krisenhaften Binnenkonjunktur war und ist) - und das alles praktisch bei 1% nominalen Zins für den Bund auf zehn Jahre. Es ist so absurd... Die Bundesbank sollte daher erst einmal bei Herrn Schäuble vorstellig werden, also bei den Gewerkschaften... Oder die starre Schuldenbremse abschaffen! Aber das will ja wieder keiner und jetzt jammern, dass die Unternehmen ihre Löhne nicht erhöhen, jetzt wo es wahrscheinlich eh zu spät ist...

André Kühnlenz hat gesagt…

Der eine Satz lautet richtig: "Die Bundesbank sollte daher erst einmal bei Herrn Schäuble vorstellig werden als bei den Gewerkschaften..."

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