Dienstag, 19. August 2014

Verteilungswirkung von Deflation

Ist Deflation gut, weil sie Gläubiger anstatt Schuldner besser stellt?

P. Plickert nennt dies in der F.A.Z. als ein Argument dafür, warum Deflation doch eigentlich ganz schön (und gerecht?) sei.
"Deflation ist vor allem eine Belastung für Schuldner. Die derzeit in der Eurozone so niedrige Inflation besorgt die EZB, Politiker und Ökonomen, weil den Schuldnern Geldentwertung fehlt, die ihnen die Last abnimmt. Wenn die EZB nun wieder große Geldspritzen vorbereitet, dann primär mit Blick auf die Schuldnerländer. Inflation bedeutet Umverteilung. Sie bewirkt einen Transfer von den Gläubigern (vor allem in Deutschland) zu den Schuldnern (in Südeuropa). Wäre es nicht ehrlicher, diesen Transfer offen zu benennen, statt falsche Argumente über die Deflation vorzuschieben?"
Faktisch sind diese Aussagen richtig, wenn man vor "Deflation" und "Inflation" jeweils das Adjektiv "unerwartete" stellt. Denn nur, wenn sich die Preise anders entwickeln, als es beide Vertragspartner bei Abschluss eines Kreditvertrags erwartet haben, ergibt sich eine reale Umverteilung, die von dem, was die Vertragspartner beabsichtigt haben, abweicht.

Insofern sticht Plickerts Argument hier auch nicht. Worum es der EZB gehen muss (nicht nur den Verträgen nach sondern auch im Sinne der Verteilungsgerechtigkeit), ist eine Einhaltung der Preissteigerung von 2% im Jahr. Denn von diesem Wert gehen (so ist anzunehmen) alle in der Vergangenheit geschlossenen nominalen Kreditkontrakte aus.*

Eine Teuerung von unter 2% (wie derzeit) hat also unerwartete Umverteilungswirkung (von Schuldnern zu Gläubigern). Eine Teuerung von 2% nicht. Eine Teuerung von über 2% hat wiederum unerwartete Verteilungswirkung (von Gläubigern zu Schuldnern). 

In diesem Sinne wendet sich das von Plickert gebrachte Argument, wenn man argumentiert, dass die EZB so wenig unerwartete Umverteilung generieren sollte wie möglich, gegen seine Forderung, mehr Deflation zuzulassen.
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* Streng genommen müsste die Notenbank das Preisniveau steuern, das sich bei einer jährlichen Teuerung von 2% ergäbe. Bei einer symmetrischen Auslegung des Inflationszieles sollte dieser Unterschied allerdings langfristig gleich Null sein.

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