Donnerstag, 4. September 2014

Presseecho auf EZB-Entscheid

Wie unterschiedlich man doch die Welt sehen kann ...

Ein paar Reaktionen der deutschen Presse auf die heutige EZB-Entscheidungen.

Die F.A.Z. schreibt unter anderem:
"Und Draghi liefert, jetzt sogar noch viel mehr als nur eine Zinssenkung. Erstmals soll nach angelsächsischem Vorbild die Bilanz der Notenbank durch den Kauf von riesigen Beständen forderungsbesicherter oder durch Hauskredite gedeckter Anleihen um einen bestimmten Betrag ausgedehnt werden. Die Rede ist von 500 Milliarden Euro. In diesem Ausmaß wird die EZB also notleidenden Banken zu guten Preisen Risiken ab- und in die eigenen Bücher nehmen, wodurch die Steuerzahler in den stabilen Ländern überproportional in Haftung genommen werden. Kein Wunder, dass die stabilitätsorientierten Mitglieder im EZB-Rat nicht begeistert sind. Aber ihre Bedenken wurden nicht erhört, sie wurden überstimmt."
 In der SZ heißt es:
"Die EZB will auf diese Weise den Banken Kredite abnehmen, die diese zuvor vergeben haben - und ihnen dadurch den notwendigen Freiraum verschaffen, damit sie weitere Kredite ausreichen können. Das soll vor allem den Krisenstaaten in Europa nützen und dazu führen, dass die dortigen Banken mehr Kredite an kleine und mittlere Unternehmen vergeben.

Nun ist es zunächst einmal nicht ungewöhnlich, dass eine Notenbank mit Wertpapieren hantiert. Wenn die Geschäftsbanken sich bei der EZB Geld beschaffen wollen, dann müssen sie im Gegenzug auch jetzt schon Sicherheiten hinterlegen - meist Wertpapiere bester Bonität. Etwas anderes ist es jedoch, wenn die Europäische Zentralbank nun auch Papiere zweifelhafter Qualität annimmt.
Und wenn sie sich dabei in einen Markt begibt, in dem eine seriöse Notenbank nichts, aber auch gar nichts zu suchen hat: jenen für verbriefte Kreditrisiken - und damit auf das Feld jener obskuren Wertpapiere, die mit hinein in die Krise geführt haben."
Das Handelsblatt kommentiert:
"Mario Draghi hat heute die ohnehin hohen Erwartungen der Märkte noch übertroffen – und das ist gut so. Denn die Zentralbank darf nicht  tatenlos zusehen, wenn sie ihr einziges im Mandat festgeschriebenes Ziel, nämlich das der Preisstabilität, verfehlt. [...]

Natürlich ist Draghis Entscheidung nicht ohne Risiken. Wenn die EZB Kredite am Markt aufkauft, holt sie sich auch deren Risiken in die Bücher. Das Risiko durch die Kreditkäufe muss aber gegen das Deflationsrisiko abgewogen werden. Und da gilt: Unterm Strich wäre eine Spirale aus sinkenden Preisen, Löhnen und Investitionen viel teurer."
Und schließlich heißt es in der ZEIT:
"Die EZB will eine erneute Rezession verhindern. Sie würde die Währungsunion in ihrem Fundament treffen und radikale Kräfte noch stärker werden lassen. Deshalb war es richtig, dass Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), reagiert hat – zumal die Inflationsrate schon seit Monaten unter dem Zielwert der EZB liegt.  [...]

Keine Frage: Die Zinsen sind bereits sehr niedrig und diese Zinssenkung wird für sich genommen keinen Investitionsboom auslösen. Das gilt auch für den Ankauf von Wertpapieren. Der fällt im internationalen Vergleich eher bescheiden aus. Die amerikanische und die britische Notenbank haben erheblich größere Mengen erworben. Aber das war nur möglich, weil in den USA und in Großbritannien auch Staatsanleihen gekauft wurden. Die EZB wagt das nicht – aus Angst vor der Kritik in Deutschland."
Ich bin da eher bei den letzten beiden Kommentaren, denn der fortschreitende Disinflationsprozess im Euroraum deutet für mich stark darauf hin, dass die Kapazitäten eben noch/wieder stark unterausgelastet sind. Und dafür, diese Nachfragelücke zu schließen muss die Geldpolitik mehr tun. 

Die Frage des langfristigen Wachstumspotenzials ist eine andere. Und für die ist tatsächlich der Rahmen entscheidend, den Finanz- und allgemeine Wirtschaftspolitik setzen.

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