Mittwoch, 17. September 2014

Rezessionsdämpfung durch Arbeitszeitkonten?

Eine neue Studie meines früheren Kollegen Christian Merkl mit zwei Mitautorinnen deutet darauf hin, dass dem nicht so ist.

Die Autoren zeigen, dass es zwischen deutschen Firmen mit Arbeitszeitkonten und solchen ohne keinen Unterschied im Anstellungs- bzw. Entlassungsverhalten gibt. Auch scheinen Firmen ohne Arbeitszeitkonten nicht stärker auf Leiharbeiter zu setzen als solche mit.
"This paper reveals that German firms with working time accounts (WTAs) show a similar separation and hiring behavior in response to revenue changes as firms without WTAs. This finding casts doubt on the popular hypothesis that WTAs were the key driver of the unusually small increase in German unemployment in the Great Recession. One possible explanation is that firms substitute WTAs by short-time work. However, our results show no evidence for this substitution. Firms with WTAs use short-time work more to adjust labor over the cycle than firms without WTAs."
Das deutet darauf hin, dass die Verbreitung dieser Arrangements kein Grund für die gute Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland während der Großen Rezession war.

Kommentare:

Peter hat gesagt…

Eine starke Rezessionsdämpfung (aka BIP-Stabilisierung) wie in der Überschrift gefragt, ist ohnehin nicht zu erwarten, da die Firmen, wenn sie dadurch tatsächlich Entlassungen vermeiden, wohl einfach Stunden gegen Köpfe tauschen. D.h. das Arbeitsvolumen (gemessen in Stunden) dürfte in beiden Fällen um etwa die gleiche Stundenzahl zurückgehen und damit auch die Produktion. Diese wird halt nur auf mehr Köpfe/Arbeitnehmer verteilt.

Jonas Dovern hat gesagt…

Das stimmt (obwohl man bestimmt ein Modell aufschreiben könnte, in dem aufgrund stabiler Löhne, der Nachfrageausfall begrenzt bliebe). Ich hatte hier aber jetzt eher die Rezession in Form von Arbeitslosigkeit im Kopf.

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