Donnerstag, 4. September 2014

Wo ist die Wand?

Markus Zydra kommentiert in der SZ, dass das ganze billige Geld, das die EZB produziere, gefährlich sei und zur Krisenbekämpfung die "Mauer aus Geld" bereits hoch genug sei.

Er schreibt u.a.:
"Die Zentralbanker errichteten unter Einsatz der Notenpresse eine Mauer aus Geld. Diese diente als Schutzwall, damit sich Unternehmen, Regierungen und Verbraucher auf die extrem gefährliche Situation einstellen konnten. Den meisten Beteiligten war bewusst, dass die Zentralbanken das Problem der Überschuldung im Banken- und Staatssektor nicht lösen konnten. Es ging darum, für die Handelnden Zeit zu gewinnen.

Politiker, Banker und Unternehmer haben nun knapp sechs Jahre Zeit gehabt. Die wirtschaftliche Lage ist mittlerweile so stabil, dass die massive Unterstützung der Notenbank bald überflüssig werden könnte. Immerhin haben die amerikanische Notenbank Federal Reserve und Bank of England begonnen, ihre Geldmauer behutsam wieder abzutragen."
Gucken wir, mutmaßlich im Gegensatz zu Herrn Zydra, doch mal auf die Daten. Die folgende Abbildung zeigt die Entwicklung der (normierten) Zentralbankgeldmenge in den großen Währungsräumen seit 2007:


Was sehen wir? Der einzige der irgendwann während der letzten Jahre damit begonnen hat, die "Mauer aus Geld" wieder abzutragen ist die EZB, bzw. man muss besser formulieren: Aufgrund der Weise, wie die EZB Zentralbankgeld in Umlauf bringt, konnte sie in den vergangenen Jahren nur zusehen, wie die Banken mehr und mehr Zentralbankgeld an die EZB zurückgaben und die Geldmenge schrumpfte. Alle anderen großen Zentralbanken kaufen weiterhin Vermögenswerte auf, um die Geldmenge auszuweiten ... wenn auch im Fall von Großbritannien und den USA mit abnehmendem Tempo.

Und hier noch mal das Ganze für die EZB alleine:


Was man auf der Graphik erkennt ist, dass die Zentralbankgeldmenge im Euroraum mittlerweile unter dem von 2002 bis 2008 berechneten Trend liegt. D.h. von einer "Mauer aus Geld" ist hier eigentlich nichts zu sehen. Wenn man den üblichen Geldmengenzuwachs der Vorkrisenjahre fortschreibt, dann fehlen also sogar jede Anzeichen eines noch so kleinen "Mäuerchens aus Geld".

Meine Prognose: Die Wende hin zu höheren Inflationsraten im Euroraum wird noch lange auf sich warten lassen und vorher wird die EZB irgendwann doch noch zu anderen Mitteln greifen müssen, um die Geldmenge zu erhöhen.

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