Freitag, 21. November 2014

Frage der Woche, 2014-KW47

Damit hier nicht völlige Stille im Blog einkehrt. (Leider bin ich zurzeit ziemlich beschäftigt und komme nicht zum Bloggen.)

Haben Maßnahmen zur quantitativen Lockerung, also Wertpapierkäufe einer Zentralbank, keine stimulierende Wirkung auf die Konjunktur?

Die Frage stellt sich, weil sich für den Euroraum mehr und mehr die Frage stellt, ob die EZB sich demnächst genötigt sieht, noch deutlich mehr/andere Wertpapiere als angekündigt aufzukaufen, um die Geldbasis zu erhöhen.

Heute hat M. Draghi, der EZB-Präsident, in einer Rede nochmals drauf hingewiesen, dass die EZB wohl noch weitere Maßnahmen unternehmen würde, sollte die Inflationsrate im Euroraum weiterhin so niedrig bleiben.
"In short, there is a combination of policies that will work to bring growth and inflation back on a sound path, and we all have to meet our responsibilities in achieving that. For our part, we will continue to meet our responsibility – we will do what we must to raise inflation and inflation expectations as fast as possible, as our price stability mandate requires of us.

If on its current trajectory our policy is not effective enough to achieve this, or further risks to the inflation outlook materialise, we would step up the pressure and broaden even more the channels through which we intervene, by altering accordingly the size, pace and composition of our purchases."
Die F.A.Z. gibt wahrscheinlich die Mehrheitsmeinung in Deutschland wider, wenn sie kommentiert, dass das alles Schmarrn (ich bin gerade in Wien) ist und Anleihenkäufe der Notenbank keine Effekte auf die Konjunktur hätten.

Und in der Tat kann man unter der Annahme perfekter und vollständig integrierter Wertpapiermärkte sowie vollständig rationaler und nicht kreditbeschränkter Agenten zeigen, dass solche Käufe keinerlei Wirkung haben.

Ich lese die empirische Literatur [z.B. hier], die sich auf die Erfahrungen in Japan, den USA und Großbritannien stützt, aber so, dass man kleine Effekte auf das langfristige Zinsniveau findet.

Natürlich sind diese Schätzungen mit Unsicherheit behaftet und auch theoretisch kennt man wahrscheinlich noch nicht alle Mechanismen über die solche Aktionen Wirkung zeigen. Allerdings ist das Nichtstun ja auch eine bewusste Aktion, die gleichermaßen unsichere Konsequenzen hat.

Und ehrlich gesagt, fürchte ich mehr und mehr (wobei ich das eigentlich schon seit über einem Jahr befürchte), dass sich die Inflationserwartungen im Euroraum vom Inflationsziel lösen und wir auf eine sehr lange Periode niedriger Inflation mit all den problematischen Konsequenzen zusteuern, aus der das Entkommen ziemlich schwierig zu sein scheint (Beispiel: Japan).

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