Dienstag, 16. Dezember 2014

Japan und der Euroraum

Die F.A.Z. spielt in einem Kommentar (wieder mal) die negativen Folgen von Deflation herunter.
"Aus Sehnsucht nach einer einfachen Lösung können manche nur schwer akzeptieren, dass auch die Geldpolitik Grenzen hat, wie man in Japan sieht. Um so fragwürdiger ist, wie in Europa Deflationsangst geschürt wird, um den Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank zu erzwingen. Von einem dauerhaften Rückgang des Europreisniveaus kann nicht die Rede sein. Auch ein Überzeichnen der milden Deflation in Japan (vier Prozent in zwanzig Jahren) verbietet sich."
Ohne zu wissen, was mit "Überzeichnung" gemeint ist, zeigt genau dieses Beispiel, dass das Preisniveau in Japan derzeit in etwa auf dem Niveau von vor 20 Jahren liegt, während es bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% über diesen Zeitraum heute rund 50% höher läg.

Und zumindest für Altschulden bedeutet dies, dass diese heute in realer Rechnung rund 50% höher sind als alle Parteien vor 20 Jahren erwartet hätten (ich nehme hier jetzt einfach mal Inflationserwartungen von 2% an, ohne die genauen Daten für das Japan des Jahres 1995 zu kennen).

(Bei während dieser 20 Jahre aufgenommener Schulden verkompliziert sich die Rechnung etwas, weil auch das Zinsniveau natürlich bei 2% ein anderes gewesen wäre.)

In meinen Augen ist genau dies der Fehler in der öffentlichen Debatte: Die Probleme einer potentiellen Deflation werden nur in der "sich selbstverstärkenden Spirale aus immer höherer Deflation und immer stärkerer Rezession" gesehen (das wird natürlich nicht passieren). Darüber werden die negativen Effekte über eine unerwartete Erhöhung der Schulden in realer Rechnung völlig außer Acht gelassen.

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