Dienstag, 16. Dezember 2014

Potenzielles Potenzial

Auf dem Blog "The Growth Economics Blog" habe ich diesen Beitrag über "potential potential GDP" von Dietz Vollrath gefunden. Und ich kann dem Autor nicht ganz folgen.
Er schreibt:
"Potential GDP: This is our non-recessionary level of GDP. We spend most of our time in this state, but it is not the best we can do. It is simply the typical level of GDP we have been achieving lately.
Potential Potential GDP: This is the best possible level of GDP we could get given our current level of technology (which I would equate with your genetics). It is the GDP we could have if we eliminated market inefficiencies like information issues, and collusion, and regulatory capture, and rent-seeking, and externalities, etc. etc. Take all the Harberger triangles you can find and eliminate them, so to speak.
Why do I think we should distinguish these concepts? Because “potential GDP” gets confused very often with “potential potential GDP”. It is literally impossible to get GDP higher than “potential potential GDP”, and thus it is impossible to sustain a GDP higher than “potential potential GDP” for any period of time. “Potential potential GDP” is the budget constraint for the economy. We cannot possibly produce more than this. 

But that is not true about “potential GDP”. It is *not* the short-run, medium-run, or long-run budget constraint for the economy. It is not something structurally fixed. But people treat it as such. They presume that any aberrations away from “potential GDP” must be offset over the long-run by equal and opposite aberrations. Booms (GDP above “potential GDP”) *must* be met by slumps (GDP below “potential GDP”). Similarly, slumps must eventually erase themselves. None of that is true, as “potential GDP” is not the budget constraint for the economy."
Ich meine hier verkennt Dietz, wie Konjunkturanalysten und Makroökonomen über das Produktionspotenzial und den Konjunkturzyklus reden. Das was er Produktionspotential nennt ist sehr wohl das Niveau der Produktion, das unter gegebenen Institutionen ohne inflationären Druck aufrechterhalten werden kann.

Sollten sich die Institutionen ändern (z.B. über eine liberalisierung des Dienstleistungssektors), dann würden die Schätzungen für dieses Produktionspotential nach oben in Richtung des potenziellen Potenzials revidiert und die Wirtschaft hätte eben mehr Spielraum ohne Überhitzung die Produktion zu steigern.

Insofern ist es zwar richtig, wenn er schreibt, dass das Produktionspotenzial nichts ist, was strukturell fixiert ist (weil sich die Institutionen eben ändern können); gleichzeitig ist es aber falsch, wenn er meint, dass Konjunkturschwankungen um das Produktionspotenzial herum keine Bedeutung hätten. Bei gleichbleibenden Institutionen ist dieses Niveau sehrwohl die relevante Kapazitätsgrenze.

Und dann vermischt der Autor seine Ausführungen mit einem, wie ich finde, komplett anderen Punkt, nämlich der Frage, ob es Hystereseeffekte gibt:
"Once you stop thinking of “potential GDP” as being necessarily a supply-side phenomenon, then failures of aggregate demand, or “animal spirits”, or self-fulfilling expectations can move around “potential GDP” as well. This is Farmer’s point about the economy having essentially an infinity of equilibrium GDP levels."
Hysterese muss man im oben dargelegten Framework eigentlich so interpretieren, dass Nachfrageschwankungen das Produktionspotenzial beeinflussen können.

Was sie nicht beeinflussen können ist das potenzielle Potenzial, das ja definiert ist als das höchste erreichbare Produktionsniveau, wenn keinerlei Friktionen vorliegen (die z.B. zu Hystereseeffekten führen können) und die bestverfügbare Technologie optimal gentutz wird.

Insgesamt aber ein sehr relevantes und interessantes Themengebiet, auf dem ich hoffe, in den nächsten Jahren ein paar Forschungsarbeiten schreiben zu können.

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