Donnerstag, 22. Januar 2015

Hatzius über EZB

Die F.A.Z. sprach mit Jan Hatzius, dem Chefvolkswirt von Goldman Sachs, in Davos über die Politik der EZB und die Lage der Weltkonjunktur.

... und so kommt auch mal ein pragmatischer Volkswirt aus Deutschland zu Wort (nicht zufällig stammt der Artikel aus der Feder von G. Braunberger). Hatzius begrüßt das QE-Programm, das die EZB wahrscheinlich heute beschließen wird.
"Hatzius argumentiert auf der Grundlage der seit mehreren Jahrzehnten dominierenden, aus den Vereinigten Staaten stammenden gesamtwirtschaftlichen Analyse, die ein erhebliches Gewicht auf die Steuerung der in der Privatwirtschaft vorhandenen Erwartungen über die Wirtschaftsentwicklung setzt. „Der wichtigste Punkt für mich ist: Wenn eine Zentralbank ein Inflationsziel hat und sich weit von diesem Inflationsziel entfernt, muss die Zentralbank dagegensteuern, wenn sie nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren will“, erläutert er. Dies begründet für den Ökonomen eine weitere Lockerung der Geldpolitik, auch wenn er Verständnis für die deutsche Position besitzt, den fallenden Ölpreis nicht als Auslöser für ein Anleihekaufprogramm zu akzeptieren: „Der Fall des Ölpreises beeinflusst unsere Beurteilung der Geldpolitik nicht. Rohstoffpreise bewegen sich manchmal sehr stark; wichtig ist daher vielmehr der zugrundeliegende Trend bei der Inflationsrate. Und diese Kerninflationsrate liegt in der Eurozone bei 0,8 Prozent und damit deutlich unter dem Zielwert der EZB.“"
... und zwar nicht mit der magischen Schwelle von 0%, unterhalb derer es zu einer Deflation kommt, sondern damit, dass sich die Kerninflationsrate einfach schon zu lange zu weit vom Inflationsziel entfernt hat und sich die Anzeichen mehren, dass auch die Inflationserwartungen nicht mehr bei nahe 2% liegen.

... ich hoffe, dass dies auch die Argumentationsstrategie der EZB heute Nachmittag sein wird und Draghi nicht anfängt von "sich selbst verstärkenden Spiralen aus Deflation und Nachfrageschwäche" zu sprechen.

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