Dienstag, 27. Januar 2015

Hellseher der Eurokrise?

Das Handelsblatt feiert Thomas Jordan, den Präsidenten der SNB, ab, weil er vor 20 Jahren in seiner Dissertation angeblich die Krise des Euro so treffgenau vorhergesehen hat.

In dem Beitrag heißt es:
"Diesen Staaten [Belgien, Irland, Italien und Griechenland], zusammen mit anderen, wie Spanien und Portugal prophezeit er eine erhebliche „Zunahme der Verschuldung“, wenn sie in eine Währungsunion mit einbezogen werden. Den Grund für all diese Probleme sieht Jordan in einem Problem, das durch die Trennung von Geldpolitik (also der Zentralbank) und Fiskalpoltik (also dem Staatshaushalt) entsteht. 

Das hängt eng zusammen mit einem Konzept, das schon im Titel seines Buches vorkommt: Seigniorage. Ökonomen verstehen darunter den Gewinn, den eine Zentralbank durch die Ausgabe von Geld an die Bürger macht. In einer Währungsunion fallen diese Gewinne, die normalerweise dem Staat zufließen, plötzlich weg. Besonders hart trifft das natürlich Länder, die vorher hohe Seigniorage-Gewinne erzielt haben. 

Und tatsächlich kommt Jordan zu dem Ergebnis: „[Griechenland, Spanien und Portugal] haben immer noch beachtliche Seigniorage-Einnahmen. Der zukünftige Verlust dieser Einnahmen wird ohne entsprechende Kompensation zu einer Zunahme der Verschuldung führen.“ 
Nun ist das Problem, dass außer in Griechenland in keinem der Länder vor der Krise ab 2008 steigende öffentliche Schuldenberge das Problem darstellten. Im Gegenteil: In Spanien und Irland sanken die öffentlichen Schulden in Relation zum BIP sogar auf sehr, sehr niedrige Werte. 

Spanien:

Irland:

 Und selbst Italien hat die Schuldenquote (vielleicht zu langsam) reduziert:


Insofern kann ich nicht ganz nachvollziehen, welche treffgenaue Prognose hier gemacht worden sein soll. Gezeigt hat sich doch in der Krise, dass die Fehlallokation von privatem Kapital bzw. die private Überschuldung in vielen Ländern, in denen das Realzinsniveau mit Einführung des Euro stark gesunken war, das Hauptproblem war - und nicht steigende Staatsschulden in den (meisten) Krisenländern.

Das heißt nicht, dass die fehlende gemeinsame Fiskalpolitik in der Währungsunion nicht ein großes Hinderniss bei der Bewältigung der Krise darstellt (wie man zuletzt bei den Diskussionen um die Problematik des QE-Programms im supranationalen Raum sehen konnte).

1 Kommentar:

Peter hat gesagt…

Und es ist ja nicht so, als hätten die "Seigniorage-süchtigen Peripherieländer" sich nicht andere Einnahmequellen (Steuern) suchen können... Der Einnahmenmix ist ja nicht in Stein gemeißelt...

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