Mittwoch, 18. Februar 2015

SZ über Griechenland

"Man fragt sich, was möglich wäre in Athen, wenn Tsipras beim Aufräumen daheim den gleichen Eifer an den Tag legte wie beim Dozieren in Brüssel. Was eigentlich hält eine Links-Regierung davon ab, eine Steuerreform vorzulegen, die die Reichen des Landes endlich an der Finanzierung des Gemeinwohls beteiligt? Warum führt der Premier keine Kapitalverkehrskontrollen ein, die eben jene Reichen daran hindern, Million um Million außer Landes zu schaffen? Der Hinweis auf rechtliche Probleme kann doch für eine Regierung, die eben noch die EU-Verträge außer Kraft setzen wollte, im Ernst kein Hindernis sein. Der sofortige Einstieg in eine solche Reformagenda würde es umgekehrt den Partnern erleichtern, einem Stillhalteabkommen zuzustimmen, das Zeit für neue Verhandlungen verschafft. [...]

[M]an [sollte] nicht vergessen, dass die Wahl eines Premiers, der erstmals seit Jahrzehnten nicht mehr der alten kleptokratischen Elite des Landes angehört, auch Chancen bietet. Das gilt aber nur, wenn Tsipras aus dem Erfolgsrausch aufwacht und seinen Spielraum zu mehr nutzt, als in Brüssel eine unrealistische Forderung auf die andere zu türmen."

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