Donnerstag, 9. April 2015

IfW berät Europaparlament

... und zwar zu geldpolitischen Angelegenheiten.

Glückwunsch an die ehemaligen Kollegen!

Als erste Expertise wurde in Brüssel anscheinend ein Kurzüberblick über die Effekte von Maßnahmen zur quantitativen Lockerung, also Anleihekäufe durch Zentralbanken zur Ausweitung der Geldmenge, vorgestellt.

(Wie nicht anders zu erwarten,) kommt das IfW darin zu dem Schluss, dass die negativen Effekte die positiven wohl überwiegen, wenn keine akute Finanzpanik vorliegt.
"There are at least three aspects important when evaluating QE. The risks of extraordinarily accommodative monetary policy increase, the longer it is in place, the more expansionary it is, and the more monetary policy enters uncharted territory. Monetary policy and, there fore, QE, is less effective in stimulating the economy in the aftermath of balance-sheet recessions.

The potential gains of further monetary stimulus are reduced when interest rates are already at very low levels and financial market distress is alleviated. Overall, the first round QE programmes were successful in restoring confidence on the financial markets and in reducing uncertainty and financial stress. Given the high risk that the financial market turmoil would have intensified, leading the economy in to a much deeper recession, these QE programmes were largely appropriate from the current perspective.

The second round QE programmes most likely did not have significantly macroeconomic effects, as monetary policy is typically less effective in the after math of balance-sheet recessions and when interest rates and financial market distress are at very low levels.

Taking a cost-benefit assessment point of view, it is difficult to argue these have been particularly successful. In the euro area, QE will be less likely to be successful in significantly stimulating growth and raising inflation than in the United States and in the United Kingdom. The euro area’s financial system is more bank-centric and the member countries are currently in very different economic shapes making QE interventions less effective."
Andererseits schreiben die selben Kollegen aber in ihrer Frühjahrsprognose für den Euroraum:
"Im  Zuge  der  Ankündigung  des  Anleihekaufprogramms  haben  sich  die  Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen verringert. [...]

Der  Wechselkurs  des  Euro  gegenüber  dem US-Dollar  gab  nach  der  Ankündigung  des Ankaufprogramms  merklich  nach. [...]

Die Zinsen für Bankkredite gaben im Winterhalbjahr  spürbar  nach [...], [und d]ie  Kreditvergabe  an  den  nichtfinanziellen Privatsektor  hat  sich  zu  Beginn  des  Jahres merklich  erhöht."
Ohne zu behaupten, dass dies alles komplett auf den Schwenk der EZB hin zu einer expansiveren Politik zurückzuführen ist, stellt sich doch die Frage, ob die zeitliche Übereinstimmung nur Zufall ist.

Im Fall des Wechselkurses jedenfalls scheint mir die Ankündigung der EZB maßgeblich für die starke Abwertung zu sein.

Und zusammengenommen dürften die Impulse von Wechselkurs, Zinsen und Kreditvergabe doch einige Effekte auf Inflation und aggregierte Nachfrage haben.

Aber klar: Sowohl die positiven als auch die negativen Effekte sind unsicher, weswegen eine ex ante Einschätzung schwierig ist. Allerdings sollte man nicht reflexhaft von der Prämisse ausgehen, dass "Nichts-Tun" per se mit weniger Risiken behaftet ist und die Beweislast komplett bei den Befürwortern des "Aktionismus" liegt. 

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