Montag, 21. Dezember 2015

Ist es egal, wer Entwicklungshilfeminister/-in ist?

Nein. Es macht anscheinend schon was aus, was sie vorher gemacht haben/welche Eigenschaften sie haben ...

Zwei Kollegen von mir, Andreas Fuchs und Katharina Richert, untersuchen in einer neuen Studie, ob die Erfahrung des/der Entwicklungshilfeministers/-ministerin Auswirkungen auf die Politik hat.


Die Zusammenfassung der gemessenen Effekte:
"Unsere Regressionsergebnisse zeigen, dass die politische Erfahrung des Entwicklungsministers die Höhe der EZ des Geberlandes beeinflusst. Ministern, die ein weiteres Jahr im Amt sind und dadurch mit Budgetprozessen und Verhandlungspartnern vertrauter werden, gelingt es, die ODA-Zusagen im Durchschnitt um 0,7 Prozent zu erhöhen. Der dienstälteste Entwicklungsminister in unserem Datensatz – Jacques Poos aus Luxemburg (1984-1999) – wäre demnach in seinem 15. Jahr in der Lage, ein um etwa 10 Prozent höheres Budget auszuhandeln als ein Newcomer. Die Höhe der ODA-Zahlungen ist hingegen unabhängig von Geschlecht, politischer Orientierung, EZ-Erfahrung und wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung.

Auch die Qualität der ODA-Zahlungen steigt mit der Amtsdauer der Entwicklungsminister. Ein zusätzliches Jahr im Amt erhöht die ODA-Qualität um 0,2 Prozentpunkte. Im Durchschnitt über die gesamte Zeitperiode entspricht das jährlich zusätzlichen 4,7 Millionen US$ an "Qualitätshilfe" pro Geberland. Einem Entwicklungsminister mit EZ-Erfahrung (z. B. in nationalen Durchführungs-organisationen, der Weltbank, spezifischen UN-Organisationen oder entsprechenden Nichtregierungsorganisationen) gelingt es, die Qualität der EZ im Durchschnitt um 1,2 Prozentpunkte zu erhöhen im Vergleich zu einem Minister ohne einen solchen Hintergrund. 

Außerdem scheinen Entwicklungsministerinnen in der betrachteten Periode erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen darin gewesen zu sein, die Qualität der EZ zu steigern. Diese erhöht sich unter weiblicher Führung um etwa einen Prozentpunkt. Mögliche Erklärungen dafür finden sich in der Literatur zunächst aufgrund genereller Präferenzunterschiede zwischen Männern und Frauen (z. B. Croson und Gneezy 2009). Diese können sich darin äußern, dass Frauen die EZ im Durchschnitt stärker unterstützen als Männer, während es sich für Militärinterventionen umgekehrt verhält (Togeby 1994). In unserer Untersuchung stellen wir hierin allerdings kein generelles Geschlechtermerkmal fest: Für das Geschlecht des Regierungschefs finden wir robust das gegenteilige Ergebnis, wohingegen der Geschlechterunterschied in nationalen Parlamenten keinen signifikanten Einfluss nimmt. In verschiedenen Positionen macht sich der Geschlechterunterschied also unterschiedlich bemerkbar. Eine mögliche Erklärung von Koch und Fulton (2011) liegt in der Beobachtung, dass sich Frauen in hohen Positionen entgegen ihres Stereotyps verhalten, um diesem entgegenzuwirken."
Im Hinblick auf die Höhe der Entwicklungshilfeausgaben eines Staates schlussfolgern sie:
"Wer wäre also der ideale Entwicklungsminister, wenn man dem Ziel der Vereinten Nationen, 0,7% des Bruttonationaleinkommens für die EZ zu verwenden, näher kommen und die Wirksamkeit der EZ erhöhen will? Basierend auf unseren Ergebnissen wäre dies eine Frau, die vor Amtsantritt spezifische Berufserfahrung in der EZ sammeln konnte, bereits mehrere Jahre im Amt war und somit mit den Budgetprozessen und entwicklungspolitischen Zusammenhängen vertraut ist. Eine Auswahl, die sich stärker als bisher an den spezifischen Vorkenntnissen eines Entwicklungsministers orientiert, wäre demnach wünschenswert."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen