Montag, 14. Dezember 2015

Tirole über Klimakonferenz

Nobelpreisträger J. Tirole hat sich skeptisch über die Effektivität der Beschlüsse auf der jüngsten Klimakonferenz in Paris geäußert.

Aus einem Bericht der F.A.Z.:
"Nun wirft der Wirtschaftswissenschaftler den Verhandlungsführern eine „allgemeine Gleichgültigkeit“ gegenüber der Forderung eines Emissionshandels vor. „Leichten Herzens“ sei sie verworfen worden [...]. Das gefährde „ernsthaft das Klimaziel“. Es stimme zwar hoffnungsvoll, dass heute „mehr als vierzig Länder, darunter die Vereinigten Staaten, China und wichtige europäische Nationen, Märkte für den Emissionshandel haben, auch wenn die dort gehandelten Emissionsmengen oft zu großzügig und die Preise für Kohlenstoff daher zu niedrig sind“. Doch das reiche nicht, es müsse ein weltweites System für den Emissionshandel aufgebaut werden. Tirole weiß, wie schwierig das aus geopolitischen Gründen ist. Doch er warnt vor den Folgen unterschiedlicher Preise: Wenn Schwellenländer etwa einen niedrigen Preis verlangen, dann drohe eine Verlagerung von Produktionsstätten in die günstigeren Länder. Es wäre daher sinnvoll, dass sich die heute existierenden Klimabörsen für den Emissionshandel zusammenschlössen, „um einen Weltmarkt zu formen“.

Am Klimaabkommen von Paris kritisiert Tirole auch, dass „die entwickelten Länder ihre Leistungen für die Entwicklungsländer nicht detailliert“ haben. „Die Freiwilligkeit hat zu viel Raum erhalten. Doch kollektive Versprechen werden niemals eingehalten.“ [...]

Dabei sei es auch bedauerlich, dass der Pariser Vertrag kein Datum setzt, von dem an die Treibhausgasemissionen sinken sollen. Die Formulierung „so schnell wie möglich“ sei zu weich, findet Tirole. „Die Strategie des Wartens auf freiwillige Engagements hat sich durchgesetzt.“ Doch die Klimaversprechen der einzelnen Länder seien nicht nur miteinander kaum zu vergleichen, sie seien auch unzureichend, aber dennoch teuer, „sodass man gut darauf wetten kann, dass sie gar nicht umgesetzt werden“, heißt es in der Analyse."

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