Dienstag, 5. Januar 2016

Krisenmanagement USA vs. Euroraum

Das Handelsblatt sieht Differenzen.

Vieles, was in dem Artikel zusammengefasst wird, ist bekannt und plausibel als Begründung für einen Teil der unterschiedlichen Entwicklungen nach 2008.
"Obwohl die Krise in den USA begonnen hat, wurde das Land viel besser mit den Folgen fertig. Ökonomen führen das vor allem auf die pragmatische Krisenpolitik der Amerikaner zurück. „Die USA haben wirtschaftspolitisch schneller und durchgreifender reagiert“, sagt Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Besonders schnell durchgegriffen haben die Amerikaner bei den Banken. Kurz nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers rief der damalige Finanzminister Hank Paulson die Chefs der größten Banken zusammen. Er ließ sie kurzerhand ein Papier unterschreiben, dass die Teilverstaatlichung ihrer Institute besiegelte. Insgesamt 250 Milliarden Dollar pumpte die Regierung in die großen Wall-Street-Institute wie Goldman Sachs. Heute ist die Krise bei vielen US-Banken schon fast vergessen.

Ganz anders in der Euro-Zone. Hier hat sich der Bankensektor bis heute nicht richtig erholt. Noch immer liegen faule Kredite in den Bilanzen. Wegen der sehr angespannten Staatsfinanzen wollten die Regierungen staatliche Kapitalspritzen für die Banken unbedingt vermeiden.

Ähnlich zögerte die Europäische Zentralbank (EZB). Während die Mitglieder des Rats der Notenbank lavierten, senkte die US-Notenbank Fed den Leitzins bereits Ende 2008 auf nahe Null und begann mit dem massiven Kauf von Staatsanleihen. Die EZB konnte sich erst mehr als sechs Jahre später zu diesem Schritt durchringen. [...]

Auch in der Fiskalpolitik gingen die USA und die Euro-Länder unterschiedliche Wege. Vor allem die Peripherieländer in Euro-Zone mussten ihre Staatsaugaben mitten in der Krise massiv kürzen. Dagegen haben die USA mehr Schulden in Kauf genommen. Auf dem Höhepunkt 2009 lag das Haushaltsdefizit in den USA bei 12,7 Prozent – in der Euro-Zone waren es zusammengenommen 6,3 Prozent. Inzwischen ist das Haushaltsdefizit in den USA dank des Wirtschaftswachstums 2014 auf rund fünf Prozent gefallen. Das ist immer noch höher als in der Euro-Zone – allerdings ist in den USA gleichzeitig die private Verschuldung stärker zurückgegangen."

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