Dienstag, 24. Mai 2016

Ökonomen, auf die es ankommt

... so heißt eine Serie in der SZ. Und da habe ich doch im Herbst glatt einen ganz wichtigen übersehen.

Eine Folge beschreibt die Arbeit von Christoph Trebesch, den ich aus meiner Zeit in Kiel kenne und den auch ich zu den "jungen Stars" der deutschen Ökonomenszene zählen würde.

Er macht sehr interessante Arbeiten zu Schuldenkrisen und ihren Auswirkungen.

Die SZ schreibt u.a.:
"Die US-Ökonomin und Trebesch haben eine Gemeinsamkeit: Sie gehen gerne auf die Suche, in Archiven, in Bibliothekskellern. In alten Büchern finden sie Daten, die helfen, Krisen besser zu verstehen. Trebesch hat beispielsweise entdeckt, dass vom Kreditprogramm 1830 kaum etwas in Griechenland blieb und wohin das Geld stattdessen floss, etwa an die Bank Rothschild. "Christoph ist ein Detektiv", sagt Reinhart über ihren Co-Autor. Er hinterfrage alles, gehe den Dingen auf den Grund - und zwar außergewöhnlich tief. [...]

Kurz vor der Finanzkrise steckt Trebesch mitten in seiner Doktorarbeit, wird als Entwicklungsökonom wahrgenommen, weil er sich mit Krisen in Argentinien oder Russland beschäftigt. Kein übermäßig beliebtes Genre, wenige Vorlesungen dazu an deutschen Universitäten. Manch älterer Kollege riet angehenden Entwicklungsökonomen: Macht lieber was Vernünftiges, was auch gefragt ist, Geldpolitik oder Arbeitsmarktforschung.

Doch dann kam die Schuldenkrise - und plötzlich interessierten sich alle für die Arbeiten von Trebesch. Nun ist er Mr. Haircut, der Experte für Schuldenschnitte. Die New York Times zitiert seine Forschung. Die Financial Times ruft an, wenn sie Daten für eine Grafik braucht. Das US-Finanzministerium lädt ihn in eine Expertenrunde.

Trebesch ist einer dieser modernen Ökonomen, die durch und durch in Daten denken, empirisch arbeiten, wie es in der Fachwelt heißt. Natürlich weiß er, dass Zahlen nicht alles erklären. "Ohne Theorie lassen sich empirische Ergebnisse nur schwer interpretieren." Er arbeitet daher auch zunehmend mit Theoretikern zusammen. Denn die Daten erklären nicht, warum manche Staaten es schaffen, schnell einen Schuldenschnitt auszuhandeln, während andere scheitern. Haben sie ein besseres politisches System? Sind die Gläubiger mal so, mal so eingestellt - und warum?"
Mach weiter so, Christoph!

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