Mittwoch, 22. Juni 2016

Geldpolitik durch Kunstkäufe?

Kauf das ESZB jetzt schon Gemälde, um die Geldmenge auszuweiten?

Das suggeriert Holger Steltzner in der FAZ
"Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Markt für Pfandbriefe ist schon leergekauft. Dasselbe dürfte bald für Unternehmensanleihen gelten. Kauft die EZB dann Aktien wie die Bank von Japan? Oder Kunst oder Häuser oder ganze Unternehmen? Das kann man sich nicht vorstellen? Aber das gibt es schon – und zwar in Europa. Manche Notenbank in der EU nimmt die Aufforderung von EZB-Präsident Mario Draghi („whatever it takes“) wörtlich. Die Banque de France etwa hat vor kurzem auf Wunsch der klammen französischen Regierung ein teures Bild von Rembrandt der Familie Rothschild abgekauft und an den Louvre weitergereicht."
Meine Meinung dazu: Man kann sich ja aus guten Gründen  über das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts ärgern; aber das heißt ja nicht, dass man Meinung auf Basis von Unwahrheiten machen muss.

Soweit ich es recherchieren konnte, verdreht Herr Steltzner hier die Tatsachen ziemlich, indem er suggeriert, dass die Banque de France die Gemälde gekauft hat, um expanisve Geldpolitik zu betreiben, sprich die Geldmenge auszuweiten. Tatsächlich handelt es sich wohl um eine Spende der Zentralbank, die es ermöglichte ein Bild zu kaufen, um es im Louvre zeigen zu können (hier und hier).

Das heißt hier wurde effektiv einfach etwas aus dem (potentiellen) Zentralbankgewinn gekauft, um es der Öffentlich in Frankreich zur Verfügung zu stellen. Genügend demokratisch legitimiert? Darüber kann man streiten. Aber mit Geldpolitik hat das in diesem Fall jedenfalls nichts zu tun.

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